Wir prüfen rund vierzig Websites im Jahr. Die Probleme wiederholen sich mit beunruhigender Regelmäßigkeit, und fast keines davon ist Geschmackssache. Es sind strukturelle Entscheidungen, die still und leise täglich Anfragen kosten. Ein strukturiertes Audit dauert zwei bis vier Tage und kostet 1.800 bis 4.500 €. Sie erhalten eine priorisierte Liste, die schnelle Verbesserungen von struktureller Arbeit trennt, kommentierte Bildschirmaufnahmen und eine grobe Aufwandsschätzung je Punkt. Das erste Drittel setzen die meisten Kundinnen und Kunden selbst um – genau so ist es gedacht. Dies sind die sieben Befunde, die in fast jedem Bericht auftauchen.
1. Der Einstiegsbereich sagt nichts
Eine Überschrift wie Willkommen auf unserer Website oder Ihr Partner für die Zukunft sagt Besuchenden nichts. Der erste Bildschirm hat eine Aufgabe: zu benennen, was Sie tun, für wen, und was als Nächstes geschieht. Ersetzen Sie den Slogan durch einen schlichten Satz und stellen Sie eine einzige Hauptaktion daneben. In Tests hebt allein diese Änderung die Scrolltiefe regelmäßig um 20 bis 30 Prozent. Eine nützliche Probe: Decken Sie das Logo ab und lesen Sie die Überschrift laut vor. Könnte sie zu jedem Unternehmen Ihrer Branche gehören, ist sie keine Überschrift, sondern Dekoration.
2. Navigation nach Organigramm
Menüs, die interne Abteilungen abbilden, zwingen Besuchende zum Raten. Benennen Sie Einträge nach den Problemen der Menschen, nicht nach Ihren Geschäftsbereichen. Sieben Einträge auf oberster Ebene sind das praktische Maximum; darüber hinaus sinkt die Wiedererkennung deutlich und das Menü wird zur Textwand. Prüfen Sie die Bezeichnungen mit drei Personen außerhalb des Unternehmens: Geben Sie eine Aufgabe vor und beobachten Sie, wohin zuerst geklickt wird. Jedes Zögern ist ein Benennungsproblem, kein Nutzerproblem.
3. Formulare, die zu viel verlangen
- Jedes optionale Feld kostet Abschlüsse. Streichen Sie alles, was der Vertrieb später erfragen kann.
- Beschriften Sie Felder oberhalb der Eingabe, nicht darin, damit die Beschriftung beim Tippen sichtbar bleibt.
- Prüfen Sie Eingaben beim Verlassen des Feldes mit einer klaren Meldung daneben, niemals über ein Hinweisfenster.
- Sagen Sie, was nach dem Absenden geschieht und wie schnell Sie antworten.
4. Kontraste, die bei Sonnenschein versagen
Hellgraue Schrift auf Weiß ist der häufigste Barrierefreiheitsfehler, den wir sehen. WCAG 2.1 AA verlangt ein Kontrastverhältnis von mindestens 4,5 zu 1 für Fließtext und 3 zu 1 für große Schrift und Bedienelemente. Das ist nicht nur eine rechtliche Frage nach dem Barrierefreiheitsstärkungsgesetz: Davon hängt auch ab, ob Ihr Text auf dem Smartphone im Freien lesbar bleibt.
Wenn ein Design nur im abgedunkelten Büro auf einem kalibrierten Bildschirm funktioniert, funktioniert es nicht.
5. Unsichtbare Fokuszustände
Den Fokusrahmen zu entfernen, weil er unaufgeräumt wirkt, zerstört die Tastaturbedienung vollständig. Gestalten Sie stattdessen einen Fokusstil, der zur Marke passt: eine zwei Pixel starke Umrandung mit ausreichendem Abstand und Kontrast. Prüfen Sie die gesamte Seite ausschließlich mit der Tabulatortaste, vom ersten Link bis zur Absendeschaltfläche.
6. Mobil als Nebensache behandelt
Zwischen 60 und 75 Prozent der Besuche auf mittelständischen Websites in Deutschland kommen vom Smartphone. Dennoch sind Schaltflächen oft kleiner als 44 Pixel, Tabellen laufen seitlich aus dem Bild, und die Telefonnummer lässt sich nicht antippen. Gestalten Sie zuerst den kleinen Bildschirm, dann ergibt sich das Desktop-Layout von selbst. Prüfen Sie die Website auf einem echten Mittelklassegerät über eine Mobilfunkverbindung, nicht in einem verkleinerten Browserfenster an der schnellen Büroleitung.
7. Keine sichtbaren Belege
Behauptungen ohne Nachweis wirken wie Rauschen. Namentliche Referenzen mit Firmenname und Funktion, eine überprüfbare Zahl, ein vor Ort aufgenommenes Projektfoto: Das schlägt Stockfotografie und Adjektive jedes Mal. Möchte eine Kundin oder ein Kunde nicht genannt werden, wirkt eine anonymisierte, aber konkrete Fallbeschreibung immer noch besser als nichts. Stellen Sie den Beleg neben die Entscheidung, nicht auf eine eigene Referenzseite, die niemand aufruft. Ein einzelnes Zitat neben dem Kontaktformular wirkt stärker als zwanzig Logos im Fußbereich.




