Die meisten Unternehmen, die eine App anfragen, brauchen keine. Sie brauchen etwas, das auf dem Smartphone gut funktioniert, ohne Installation erreichbar ist und nicht für jede Textänderung eine Prüfung im App Store benötigt. Das ist meist eine Progressive Web App. Manchmal aber tatsächlich nicht.
Was eine PWA heute leistet
- Installation auf dem Startbildschirm unter Android und iOS mit eigenem Symbol und ohne Browserrahmen.
- Offline-Betrieb über einen Service Worker mit zwischengespeicherten Inhalten und vorgemerkten Aktionen.
- Zugriff auf Kamera, Standort, Dateien sowie unter Android auf Bluetooth und NFC.
- Push-Benachrichtigungen, unter iOS seit Version 16.4 für installierte Web-Apps.
- Auffindbarkeit über Suchmaschinen und Weitergabe als einfacher Link.
Für die meisten geschäftlichen Anwendungsfälle deckt das die Anforderung ab: ein Bestellwerkzeug für Stammkundschaft, ein Serviceportal, eine Begleitanwendung für Veranstaltungen, eine interne Checkliste für den Außendienst.
Wo eine native App notwendig bleibt
- Standortverfolgung im Hintergrund über Stunden, etwa in Logistik und Außendienst.
- Rechenintensive Verarbeitung auf dem Gerät, beispielsweise fortlaufende Videoanalyse oder 3D-Darstellung.
- Tiefer Hardwarezugriff: Gesundheitssensoren, Sicherheitselement, erweiterte Bluetooth-Profile.
- Präsenz im Store als Vertriebskanal, wenn Kundinnen und Kunden dort tatsächlich nach Ihrer Kategorie suchen.
- Erlösmodelle, die für digitale Güter den Kauf innerhalb der App voraussetzen.
- Zentral verwaltete Firmengeräte, bei denen die Anwendung von der IT-Abteilung verteilt und konfiguriert werden muss.
- Betrieb in Umgebungen ohne verlässliche Netzabdeckung über ganze Arbeitstage hinweg, etwa in Hallen oder unter Tage.
Der Kostenvergleich über drei Jahre
Eine solide PWA kostet in der Erstellung 18.000 bis 40.000 €, mit einer einzigen Codebasis und ohne Store-Gebühren. Zwei native Apps für iOS und Android kosten 55.000 bis 120.000 €, mit einem plattformübergreifenden Rahmenwerk wie React Native oder Flutter 35.000 bis 70.000 €. Hinzu kommt die laufende Pflege: Native Apps benötigen jährliche Anpassungen an neue Betriebssystemversionen, Prüfzyklen und Store-Konten, was 6.000 bis 15.000 € pro Jahr ausmacht.
Der App Store ist für die meisten mittelständischen Unternehmen kein Marketingkanal. Jemanden zur Installation zu bewegen ist schwerer, als ihn einen Link öffnen zu lassen.
Die Realität der Verbreitung
Durchschnittliche Nutzende installieren sehr wenige neue Apps pro Monat, und fast alle davon stammen aus Unterhaltung und Kommunikation. Ein B2B-Werkzeug für zweihundert Kundinnen und Kunden wird im Store nicht gefunden, sondern von der Kundenbetreuung als Link verschickt. Umgekehrt ist eine PWA aus jeder E-Mail, jeder Rechnung und jedem QR-Code auf dem Lieferschein nur eine Berührung entfernt.
Ein pragmatischer Weg
Bauen Sie zuerst die PWA. Sie wird ohnehin zu Ihrer mobilen Weboberfläche, die Arbeit ist also nicht verloren. Messen Sie, wie viele Nutzende sie installieren, wie oft sie zurückkehren und welche Fähigkeit sie vermissen, die das Web nicht liefern kann. Besteht nach sechs Monaten eine konkrete, wiederkehrende Anforderung, die nur nativ erfüllbar ist, kapseln Sie die bestehende Webanwendung in eine native Hülle oder entwickeln den nativen Client gezielt für diesen Ablauf.
Zwei Details entscheiden darüber, ob sich eine PWA wie eine App oder wie ein Lesezeichen anfühlt. Erstens das Verhalten ohne Netz: eine zwischengespeicherte Grundoberfläche, die sofort erscheint, und eine Warteschlange, die Aktionen nachsendet, sobald die Verbindung zurückkehrt. Zweitens der Installationshinweis: zum richtigen Zeitpunkt gezeigt und mit einer kurzen Erklärung, was die Installation bringt. Teams, die diese beiden Punkte überspringen, kommen meist zu dem Schluss, Progressive Web Apps funktionierten nicht – tatsächlich haben sie eine Website mit einer Manifestdatei veröffentlicht.
Zwei Fragen, die die meisten Fälle klären
Erstens: Muss das Produkt auch bei ausgeschaltetem Bildschirm arbeiten? Zweitens: Werden Kundinnen und Kunden im App Store aktiv danach suchen? Lautet die Antwort zweimal nein, ist eine Progressive Web App die günstigere, schnellere und besser wartbare Wahl – und Sie können die Frage später mit echten Nutzungsdaten statt mit Annahmen erneut stellen. Wie auch immer Sie entscheiden: Platzieren Sie den Installationshinweis an der richtigen Stelle – nach der ersten erfolgreich abgeschlossenen Aufgabe und niemals beim ersten Besuch.




