Skip to content

DSGVO-konforme Analytics ohne Google

Business4 Min. Lesezeit
DSGVO-konforme Analytics ohne Google

Die meisten deutschen Websites messen ihren Traffic mit einem Werkzeug, das ein Einwilligungsbanner erfordert – und verlieren durch dieses Banner 40 bis 60 Prozent ihrer Daten. Es gibt einen ruhigeren Weg, Analytics zu betreiben, und für viele mittelständische Unternehmen führt er zu besseren Entscheidungen bei geringerem rechtlichem Risiko.

Warum das Banner mehr kostet, als Sie denken

Nach § 25 TDDDG ist das Speichern oder Auslesen von Informationen auf einem Endgerät einwilligungspflichtig, sofern es nicht unbedingt erforderlich ist. Google Analytics 4 fällt darunter. Übliche deutsche Einwilligungsraten liegen zwischen 45 und 70 Prozent – Ihre Berichte beschreiben also eine verzerrte Stichprobe, und die Verzerrung ist nicht zufällig: datenschutzbewusste und mobile Nutzende sind unterrepräsentiert.

Die realistischen Alternativen

  • Matomo, selbst gehostet auf einem deutschen Server, Lizenz ab 0 € zuzüglich rund 30 € monatlich für Betrieb und Pflege.
  • Plausible oder Fathom mit EU-Hosting, 9 bis 39 € monatlich, konzeptbedingt ohne Cookies.
  • Serverseitige Logfile-Auswertung mit GoAccess, faktisch kostenlos, aber schwach bei Nutzerpfaden.
  • Matomo Cloud in Deutschland, ab 26 € monatlich, wenn Sie den Betrieb nicht selbst übernehmen möchten.

Plausible und Fathom arbeiten ohne Cookies und ohne Speicherung einer Gerätekennung, wodurch in den meisten Konfigurationen kein Einwilligungsbanner für die Reichweitenmessung nötig ist. Auch Matomo lässt sich einwilligungsfrei betreiben, allerdings nur in einer bestimmten Konfiguration: anonymisierte IP, keine Cookies, keine seitenübergreifenden Daten und ein funktionierender Widerspruch. Mehrere deutsche Aufsichtsbehörden haben diese Konfiguration als vertretbar beschrieben – von der eigenen Dokumentationspflicht befreit Sie das jedoch nicht.

Worauf Sie verzichten

Seien Sie ehrlich in der Abwägung. Ohne sitzungsübergreifende Kennungen verlieren Sie verlässliche Kennzahlen zu wiederkehrenden Besuchen und die Attribution über mehrere Kontaktpunkte hinweg. Ebenso entfällt die direkte Anbindung an Google Ads für den Conversion-Import, was bei hohen Suchbudgets ins Gewicht fällt. Erhalten bleibt alles, was die meisten Entscheidungen trägt: welche Seiten Besuche bringen, welche Inhalte Aufmerksamkeit halten, welche Formulare ausgefüllt werden und wo Menschen abspringen. Für Werbekonten gibt es einen Mittelweg: Behalten Sie das einwilligungsbasierte Conversion-Tracking ausschließlich auf den Landingpages der Kampagnen und messen Sie die übrige Website cookiefrei.

Ein vollständiges Bild von 100 Prozent der Besuche schlägt ein detailliertes Bild von 55 Prozent.

Ein Aufbau, der sich in der Praxis bewährt

  • Cookielose Reichweitenmessung für die gesamte Website, einwilligungsfrei.
  • Einwilligungspflichtiges Conversion-Tracking nur auf den Seiten, die bezahlte Kampagnen versorgen.
  • Serverseitige Erfassung von Formularabsendungen, damit Werbeblocker die Anfragezahlen nicht verzerren.
  • Angebundene Search Console für organische Suchanfragen, die kein Analytics-Werkzeug ersetzen kann.
  • Ein Quartalsbericht, der alle drei Quellen zusammenführt, statt eines Dashboards, das niemand öffnet.

Dokumente, die Sie ohnehin brauchen

Unabhängig von der Wahl müssen drei Unterlagen vorliegen: ein Eintrag im Verzeichnis von Verarbeitungstätigkeiten, ein Auftragsverarbeitungsvertrag mit dem Anbieter, sofern nicht selbst gehostet wird, und ein Abschnitt in der Datenschutzerklärung, der Werkzeug, erhobene Daten und Speicherdauer benennt. Eine Speicherdauer von zwölf bis vierzehn Monaten ist gut begründbar, eine unbefristete nicht.

Umstellung an einem Nachmittag

Betreiben Sie beide Systeme vier Wochen parallel. Vergleichen Sie Sitzungen und Conversions täglich und notieren Sie das Verhältnis, denn das neue Werkzeug zeigt definitionsgemäß andere absolute Zahlen. Sobald Sie den Versatz kennen, stellen Sie Ihre Berichte auf die neue Basis um und schalten das alte Tag ab. Sichern Sie einen Export der historischen Daten, bevor Sie die alte Property löschen.

Der übliche Aufwand für eine mittelgroße Website liegt bei ein bis zwei Arbeitstagen oder 900 bis 2.400 €. Gemessen an den Kosten einer datenschutzrechtlichen Beschwerde und an der dauerhaften Verzerrung einwilligungsbasierter Daten ist das eine unkomplizierte Entscheidung. Ein Vorteil wird dabei selten genannt: Ein cookiefreier Aufbau entfernt das Banner vom ersten Bildschirm, was Absprungrate und wahrgenommene Qualität der Website messbar verbessert. Viele Kundinnen und Kunden berichten zudem, dass die Berichte endlich wieder mit den Zahlen aus dem Vertrieb zusammenpassen.

Autor

Lena Hofmann

Leiterin Strategie

Teilen
Miriam Kraus

Ihre Ansprechpartnerin

Miriam Kraus

Ich lese jede Anfrage persönlich und melde mich innerhalb eines Werktages.

Schreiben Sie uns direkt

Füllen Sie das Formular aus – wir melden uns bei Ihnen

Woran sind Sie interessiert?